Y O G (A)

Was bedeutet Yoga eigentlich?

Yoga ist heute in aller Munde – als Bewegung, Entspannung oder Lifestyle. Doch nur wenige wissen, woher das Wort stammt und was es in seiner Tiefe bedeutet. Seine Wurzel liegt im Sanskrit, ist eine der ältesten überlieferten Sprachtraditionen und bis heute lebendig in spirituellen, wissenschaftlichen und philosophischen Kontexten.

Die Wurzel „yuj“

Das Wort Yoga leitet sich von der Sanskrit-Wurzel „yuj“ ab. Sie bedeutet: verbinden, anjochen, zusammenfügen. Für mich ist damit die Verbindung von Körper, Geist und Seele gemeint – was uns einen Schlüssel bietet die Einheit unseres individuellen Selbst verbunden mit dem größeren Ganzen zu erfahren.

So wird Yoga nicht nur als körperliche Praxis verstanden, sondern als ein Weg der Vereinigung: von Innen und Außen, von Tradition und Gegenwart, von Bewusstsein und Leben.

Veränderung und innere Erfahrung

Historische Entwicklung und Wandel

Schon die alten vedischen Weisen, die Rishis verbanden Himmel und Erde in einem tiefen Symbol. Die Rishis, die großen Weisen, werden dem Sternbild des Großen Wagens zugeordnet. Dieses Bild erinnert uns daran, dass wahre Erkenntnis nicht in Büchern oder festen Worten gefangen ist, sondern sich beständig bewegt – wie die Sterne am Himmel und wie das Leben in uns. Die Rishis laden uns ein, Orientierung zu finden – auch im Dunkel –, geführt von einem Licht, das über Generationen weitergegeben wird.

Historische Entwicklung und Wandel

Yoga ist keine starre Praxis, sondern ein sich über Jahrtausende stetig entwickelnder Weg. Erste Spuren finden sich bereits im Rigveda (ca. 1500–1200 v. Chr.), der ältesten Sammlung heiliger Hymnen. Dort begegnet uns das Wort „Yoga“ noch im ursprünglichen Sinn der Wurzel yuj – „verbinden“. Es beschreibt die Ausrichtung des Geistes und die Verbindung des Menschen mit dem Göttlichen.

Von hier aus entfaltet sich die Tradition weiter: In den Upanishaden wird Yoga zu einem inneren Weg der Sammlung und Selbsterkenntnis. Später formulierte Patañjali in dem Yoga-Sutra einen klaren Pfad mit acht Gliedern (Aṣṭāṅga), der bis heute prägend ist. Im Mittelalter entwickelte sich der Haṭha-Yoga, der Körperhaltungen, Atemtechniken und energetische Praktiken systematisch verband. Ab dem 5.–7. Jahrhundert prägten tantrische Traditionen schließlich die Sichtweise, dass das Leben in seiner Ganzheit göttlich und wertvoll ist.

In der Neuzeit waren es Lehrer wie Swami Vivekananda und T. Krishnamacharya, die Yoga in den Westen brachten und Brücken schlugen zwischen östlicher Weisheit und moderner Welt. Aus dieser Bewegung entstanden viele heute bekannte Formen – darunter Ashtanga, Hatha und Vinyasa.

Diese Geschichte zeigt: Yoga war nie starr, sondern stets lebendig und wandelbar. Seine Essenz bleibt – die Suche nach Einheit von Körper, Geist und Seele –, doch die Formen, in denen wir üben, passen sich den Menschen und der Zeit an.

Für mich liegt die Schönheit darin, dass Yoga immer in lebendiger, sich ständig verändernder Bewegung bleibt. Er verändert sich, passt sich an und eröffnet uns die Freiheit, unsere eigene Erfahrung darin zu machen. Auf meinem Weg habe ich entdeckt, dass genau diese Offenheit das ist, was Yoga so wertvoll macht, er begleitet uns, während wir uns verändern.

Yoga heute – Tradition trifft Innovation

Gerade hier im Westen, wo unser Alltag oft von Geschwindigkeit, Druck und äußeren Erwartungen geprägt ist, kann uns Yoga daran erinnern, innezuhalten. Er kann uns die Möglichkeit schenken Körper, Geist und Seele wieder in den Einklang zu bringen.

So lässt sich der Yoga auch mit unserer eigenen europäischen Tradition verbinden. Mit der Suche nach Sinn, nach Zugehörigkeit, nach innerem Frieden. Auch im Christentum finden wir ein Bild der Ganzheit; die Dreifaltigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist. In ähnlicher Weise kann Yoga uns an die Einheit von Körper, Geist und Seele erinnern.

Alles ist im Wandel und Yoga kann ein Weg sein, diese Veränderung bewusst zu gestalten und dabei zentriert zu bleiben.


Lass dich inspirieren

“Für mich beginnt Yoga dort, wo der Geist es nicht mehr greifen kann, genau hier: Auf dem Weg des Seins allgegenwärtig und sich dabei des eigenen Selbst immer bewusster zu werden.“

Marie-Theres Kreibich

Fazit

Yoga ist mehr als Bewegung. Es ist ein Ankommen im Hier und Jetzt – und kann ein Schlüssel zur Einheitserfahrung werden, wenn wir uns darauf einlassen. Yoga schenkt uns die Möglichkeit, mit geschlossenen Augen zu sehen: uns selbst zu erkennen und zu erfahren, dass Sinn, Wahrheit und Verbundenheit nicht im Außen zu finden sind, sondern nur im Inneren. Dort beginnt die wahre Begegnung mit uns selbst.

Für mich ist Yoga ein Weg zur Erkenntnis der Ganzheit, zu mir – und zugleich ein Weg zu Gott. Ein Weg, der uns immer wieder ins Jetzt zurückführt, dorthin, wo wir vollständig sind, genauso wie wir eben sind.

Aus der alten Sanskrit-Wurzel „yuj“ wächst ein zeitloser Impuls: die Einladung, uns selbst zu erfahren, uns unserer Selbst bewusst zu werden und die Verbindung zum Leben immer wieder neu zu entdecken.